Wärmewende statt Holzverschwendung – Waldschutz ist Klimaschutz!

Beschlossen auf dem 49. Bundeskongress im Herbst 2017 in Dortmund

Wärmewende voranbringen und Förderungen umstellen

Im Jahr 2010 kam es erstmals seit Beginn der Datenerfassung dazu, dass der energetische Verbrauch von Holz den stofflichen übertraf – also ein größerer Anteil am bundesweiten Holzkonsum im Ofen verbrannte, als für Bauzwecke oder in der Möbelproduktion eingesetzt wurde. Diese Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschärft hat, hängt mit einem 2009 während der schwarz-gelben Bundesregierung verabschiedeten Marktanreizprogramm zusammen, durch das die Anschaffung von holzbetriebenen Heizanlagen wie beispielswiese Holzhackschnitzelheizungen gefördert wird. Natürlich ist Holz ein nachwachsender Rohstoff und damit klimaneutraler im Verbrauch als eine Öl- oder Gasheizung und auch günstiger, allerdings verursacht die Verbrennung von Holz deutlich höhere luftverschmutzende Emissionen als Öl oder Gas und trägt gerade in innerstädtischen Bereichen stellenweise mehr zur Feinstaubbelastung und zur Überschreitung der Stickstoff-Werte bei als der Autoverkehr. Die GRÜNE JUGEND fordert daher den sofortigen Stopp staatlicher Förderungen für Holzheizanlagen in privaten Haushalten. Die Stadt Frankfurt ist durch die Grüne Mitregierung sogar soweit gegangen, dass sie für Neubaugebiete in den entsprechenden Satzungen und Bebauungsplänen verboten hat, neue Holzheizanlagen zu bauen, und stattdessen eine Verpflichtung zum Anschluss an das Fernwärmenetz verfügt. Diese Konsequenz bei der Förderung sauberer Wärme muss auch bundesweit vorangetrieben und durch den Bund gefördert werden. Die GRÜNE JUGEND fordert, dass die staatlichen Förderungen für Wärme nur noch in emissionsfreie Technologien fließen dürfen und dass gemeinsam mit den Kommunen eine Dämmoffensive in den Städten betrieben wird. Zwar sind mit der Novellierung der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen deren zulässige Grenzwerte neu gedeckelt worden, allerdings hat gleichzeitig die Gesamtzahl an Holzheizanlagen weiterhin stark zugenommen und sich dadurch die Luftqualität weiter verschlechtert.

Brennholzproduktion nachhaltig machen und Zertifizierung einfordern

Durch die stark angestiegene Nachfrage nach Brennholz sind die Preise des deutschen Brennholzes um 30 bis 90 Prozent gestiegen. Durch diesen Preisanstieg ist es zu einem steigenden Konkurrenzdruck zwischen der Brennholzproduktion und weiterverarbeitenden Industrien wie der Papier- und Sägeindustrie bzw. der Möbelproduktion gekommen. Die in Deutschland oft sehr streng kontrollierte und zertifizierte nachhaltige Forstwirtschaft kann diese Nachfrage nicht mehr bedienen, weshalb die Möbelindustrie v.a. in Asien und Südamerika Hölzer kauft und Brennholz zunehmend aus Osteuropa importiert wird – meist ohne jegliche Nachweise über die Nachhaltigkeit der Holzproduktion. Die Förderung von Holzheizanlagen hat also in den vergangenen Jahren zu einer nicht nachhaltigen und überdimensionierten Nachfrage nach billigem Holz geführt. Dieser Entwicklung stellt sich die GRÜNE JUGEND klar entgegen und fordert, dass nur noch solche Hölzer in den deutschen Holzmarkt eingeführt werden dürfen, die nach FSC oder PEFC zertifiziert worden sind.

Waldschutz ist Klimaschutz

Natürliche und vielfältige Mischwälder sind ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes. Durch die Bindung von CO2 in der Holzmasse im Zuge der Photosynthese wird dem Treibhauseffekt aktiv entgegengewirkt. Durch den Klimawandel ist der Wald in Europa aber bereits stark bedroht – viele Baumarten werden große Schwierigkeiten mit höheren Durchschnittstemperaturen, mit geringeren Niederschlagsmengen, mit wärmeren Wintern und trockeneren Sommern haben. Umso wichtiger und dringlicher ist der Umbau reiner Fichtenbestände zu nachhaltigen Mischwaldbeständen, die klimatischen Extremen besser standhalten können. Die starke Auslastung der deutschen Forstwirtschaft und die gute Konjunktur auch durch die starke Nachfrage nach Brennholz lässt wichtige Maßnahmen des Waldumbaus aber auf der Strecke bleiben. Es ist absurd, dass der Staat einerseits Privatwaldbesitzer*innen zum nachhaltigen Waldumbau auffordert und berät, gleichzeitig aber eine Holznachfrage fördert, die nicht an gutem Stammholz verschiedenster Mischwaldbaumarten interessiert ist, sondern an möglichst billigem Brennholz. Die GRÜNE JUGEND stellt sich gegen diesen Trend und fordert den umso engagierteren Umbau der Wälder zu gesunden Mischwäldern durch den deutschen Bundesforst, die Landesforstbetriebe, die kommunalen Forstbetriebe und die Privatwaldbesitzer*innen. Selbstwerber*innen soll es weiterhin möglich sein, ihr Brennholz in den Wäldern einzuschlagen und einzukaufen. Allerdings ist die Gewichtung auf Nachhaltigkeit heute umso dringlicher und wichtiger, um die klimaschützende Funktion des Waldes zu erhalten. Deshalb fordert die GRÜNE JUGEND eine Deckelung der energetischen Nutzung deutschen Holzes auf 40 Prozent.