Völkermord an den Armenier_innen anerkennen!

Beschlossen auf dem 44. Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND vom 10. – 12. April 2015 in Bremen

Am 24. April 2015 jährt sich zum 100. Mal der Völkermord an den Armenier_innen im Osmanischen Reich: Im Zuge der „Türkisierung“¹ des Osmanischen Reiches kamen unter der Verantwortung von “Jung-Türken“¹ ca. 1,5 Mio. Armenier*innen² bei systematischen Massendeportationen, Todesmärschen und Massakern ums Leben.

Nach der Definition der „UN Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ reicht die Absicht „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“, um Völkermorde als solche bezeichnen zu können.Viele Nationen haben den Völkermord an den Armenier_innen anerkannt, zu denen zum Beispiel Schweden, Belgien, Frankreich, Griechenland, die Niederlande und der Libanon gehören. Die Schweiz stellt sogar die Leugnung unter Strafe.

Doch leider bleibt bis heute das Gedenken an die „Aghet“ („Katastrophe“ auf armenisch) in der Türkei nicht erlaubt. Dieser Völkermord wird von dem juristisch verantwortlichen Nachfolgestaat Türkei abgestritten: Sowohl die systematisch vorbereitete Massendeportation, mit der die Vernichtungsabsicht einhergeht, als auch das Ausmaß der Todesopfer wird verleugnet. Vielmehr spricht die türkische Regierung von „kriegsbedingten Deportationen“. Mit dieser Leugnungspolitik kann keine Aufarbeitung der Gräueltaten ohne staatliche Repressionen stattfindenden und eine Versöhnung bleibt unmöglich.

Wir, als Grüne Jugend, fordern, dass der Genozid an den Armenier_innen auch in Deutschland als Völkermord anerkannt wird. Wir verurteilen die Verunglimpfung der Opfer durch die Täter_innen und Nachfahren: Für uns ist es indiskutabel den Völkermord an den Armenier_innen in Frage zu stellen, oder abzustreiten!

Bei der Deportation und der Verfolgung wirkten auch preußische Offiziere mit und somit kann auch von einer Mitverantwortung des Deutschen Reiches gesprochen werden. Das Deutsche Reich hätte diesen Völkermord aufhalten können! Somit tragen auch wir eine Mitverantwortung an dem ersten Genozid im europäischen Raum – diese Mitverantwortung muss auch im Zuge der interkulturellen Ausrichtung des Schulunterrichtes und Erinnerungskultur thematisiert werden!

Die Grüne Jugend wird sich dafür einsetzen, dass die Grüne Partei sich engagierter für die Anerkennung des Völkermordes an den Armenier_innen einsetzen wird.

¹ „Jungtürken“ waren eine politische Bewegung im Osmanischem Reich. Sie nutzten die politische, militärische und politische Schwäche des Osmanischen Reiches und putschten sich an die Macht. Bis zum Ende des 1.Weltkrieges versuchten sie diktatorisch das Osmanische Reich zu „türkisieren“: Die „jung-türkische Bewegung“ versuchte das Osmanische Reich religiös (hin zum sunnitischen Islam) und ethnisch (hin zum türkischen) zu homogenisieren. Der Völkermord an den Armenier_innen wird als eine Auswirkung und Maßnahme dieser Homogenisierung des Osmanischen Reiches gesehen.

² http://www.armenocide.net/armenocide/armgende.nsf/$$AllDocs/1916-10-04-DE-002