Sexismus und Homophobie überall bekämpfen!

Liebe Mitarbeiter_innen von JOIZ!,

Ihr hattet uns für eure Sendung "Flirt Kitchen – Wahl Spezial" angefragt.

In der regulären Ausgabe kochen drei Single-Männer in Ihren Küchen ihr Lieblingsgericht und buhlen dabei um die Gunst der Zuschauerinnen. Während der Ausstrahlung können die Zuschauerinnen mit den drei Kandidaten chatten und durch ein Voting den Sieger küren.

Für das "Flirt Kitchen – Wahl Spezial" soll der Schwerpunkt für eine Woche vom Buhlen ums andere Geschlecht zum Buhlen um Wähler_innenstimmen verschoben werden. Junge, aufstrebende Politiker sollen, während sie ihre Leibspeise zubereiten, etwas über sich und ihre Politik erzählen. Während der Ausstrahlung sollen die Politiker mit den Zuschauer_innen chatten, sich austauschen und Fragen beantworten. Am Ende entscheiden die Zuschauer_innen, wer sich am besten geschlagen hat und küren durch ein Voting einen Sieger.

Grundsätzlich freuen wir uns sehr, dass ihr versucht im Rahmen der Bundestagswahl ein Format zu finden, das Politik vor allem jungen Menschen näher bringen soll.
Als Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND haben wir immer eine quotierte Doppelspitze. Wir haben euch um eine schriftliche Antwort gebeten, warum wir in dieser Sendung nicht mit einer Frau antreten dürfen. Mit eurer Antwort schließt ihr uns damit faktisch aus eurer Sendung aus, da unsere Doppelspitze derzeit aus einer Frau und einem nicht-heterosexuellem Mann besteht.

Antwort von Jensen, Nils – Redaktionsleiter Doku JOIZ:

„Sie fragen, warum an dem Format "Flirt Kitchen – Wahl Spezial" keine Frau teilnehmen kann. Der Grund ist simpel und wenig spektakulär: In der ersten Staffel, die wir gerade produzieren, kochen Single-Männer in ihrer Küche. So ist nun mal das Format. Sollte es quotentechnisch laufen, werden ab der zweiten Staffel Single-Frauen und auch homosexuelle Singles dabei sein.“

 

Wir geben uns mit einer Antwort „So ist nun mal das Format.“ nicht zufrieden und haben uns gegen eine Teilnahme entschieden, weil wir das Format schlichtweg für heteronormativ und sexistisch halten!

Warum Frauen ausgeschlossen bleiben

Gerade Polit-Talkshows mit Repräsentant_innen der Parteien in der deutschen Presselandschaft sind it Männern durchsetzt. Bei Jauch, Maybritt Illner, „hart aber fair“ und Co. wird meist eine Frau gegenüber 4-5 Männern gesetzt.

Frauen werden systematisch aus der Öffentlichkeit gehalten und die männliche Sicht immer wieder reproduziert. Ihnen bleibt oft der Aufstieg in Machtpositionen in Unternehmen und in Parteien verwehrt. Das spiegelt sich zum Beispiel in den sage und schreibe 5,9% Managerinnen in Vorständen und 33% Frauen im Bundestag wider.

Wir kämpfen für Gleichberechtigung in allen Bereichen – Frauen dürfen nicht mehr länger versteckt werden, sondern müssen als Vorbilder agieren können. Umso schockierter sind wir über euer Format, das komplett diese Problematik verkennt. Gerade als modernen Jugendsender, der politische Sendungen ausstrahlt und jungen Leuten ein Vorbild sein möchte, ist diese Handhabe fatal, denn es manifestiert Rollenbilder!

 

Warum Männer nicht kochen und Frauen nicht an der Politik teilhaben können

Eure Sendung verstärkt ein binäres Geschlechtersystem, das wir als veraltet ansehen, da es der Diversität der Gesellschaft in keinster weise gerecht wird. Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der sich niemand einem dieser Geschlechter zuordnen muss und in der Liebe auch nicht an ein Geschlecht gebunden ist. Wir leben aber in einer Zeit in der die Diskriminierung von Frauen ganz normaler Alltag ist und nicht-heterosexuelle Menschen tagtäglich in allen Lebensbereichen immer noch um Akzeptanz kämpfen müssen. Eine Sendung in der Männer mit Männern kochen, verstärkt und reproduziert genau diese heterosexuelle Matrix.

 

Allein „richtige“ Männer sind gefragt

Zum anderen ist es für uns absolut nicht nachvollziehbar, wieso neben dem Geschlecht, auch noch die sexuelle Orientierung eine Rolle spielen muss. Eine Sendung, die ausschließlich heterosexuelle Männern zulässt, scheint uns nicht an Inhalte interessiert. Es ist schlicht und einfach sexistisch und homophob! Unser Einsatz für eine gleichberechtigte Gesellschaft gilt auch dem Kampf gerade dieser Heteronormativität. Wir halten die immer noch vorherrschende Vorstellung von „Mann und Frau, die sich lieben“ für veraltet. Wir engagieren uns für die Anerkennung aller Menschen, egal ob hetero, lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder inter*. Als GRÜNE JUGEND kennen wir nur die Liebe zwischen Menschen, unabhängig davon, wie sich diese Menschen selbst definieren und welche Geschlechter sie begehren.

 

Da das Format „Flirt Kitchen“ unseren Grundüberzeugungen fundamental entgegensteht, werden wir nicht daran teilnehmen. Sollte diese Stellungnahme euch zum Nachdenken anregen und in Zukunft Formate gefunden werden, die unseren Überzeugungen nicht entgegenstehen, stehen wir gerne kooperativ zur Verfügung.

 

Liebe Grüße!

Der Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND