Perspektiven-Prozess: Ziele und Grundsätze unserer Bildungsarbeit

Beschlossen auf dem 52. Bundeskongress in Leipzig, 5.-7. April 2019

Beschluss:

Als GRÜNE JUGEND stehen wir in der Konzeption und Umsetzung unserer Bildungsarbeit vor großen Herausforderungen. Unsere Arbeit bewegt sich nicht im luftleeren Raum ohne gesellschaftliche Hierarchien oder Einflüsse. Der sich dadurch ergebende Widerspruch – dem Ziel, eine kritische Perspektive auf unsere Gesellschaft unter deren Druck zu vermitteln – muss von uns reflektiert und bei der Ausgestaltung unserer Arbeit berücksichtigt werden.

Wir stehen vor vielen gesellschaftlichen Missständen, die wir in unserer Bildungsarbeit behandeln müssen: Sei es der allgemeine Rechtsruck, eine größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, der scheinbar unaufhaltsam voranschreitende Klimawandel oder die Ungleichheit der Geschlechter. Wir stehen vor vielen Problemen und Themen, die wir in unserer Arbeit behandeln wollen. Sehr oft stehen dabei unsere Positionen in einem starken Widerspruch zum nach rechts rückenden gesellschaftlichen Diskurs, was für unsere Bildungsarbeit nicht folgenlos bleiben kann.

Dass wir wachsen, ist für unsere Bildungsarbeit, wie für vieles andere auch, eine große Chance, stellt uns aber auch vor Herausforderungen, um wirklich alle Mitglieder mit unserer Bildungsarbeit zu erreichen: Wir brauchen Formate und Methoden, die viele Mitglieder ansprechen und wir müssen viele Aktive in die Bildungsarbeit einbinden.

Wir setzen uns deshalb die folgenden Ziele für unsere Bildungsarbeit, die wir weiterentwickeln werden und auf deren Basis wir die Zukunft unseres Bildungsprogramms planen:

Ziele

Für uns als GRÜNE JUGEND ist die Bildungsarbeit ein großer Teil unserer politischen Arbeit, dem wir eine hohe Bedeutung beimessen. Unser Grundverständnis vom politischen Wirken der GRÜNEN JUGEND geht einher mit der Notwendigkeit kritischer, politischer Bildungsarbeit. Wir wollen unser Verbandsleben so gestalten, dass neue Erfahrungen zum Hinterfragen der gesellschaftlichen Verhältnisse anregen.

Die demokratischen Prozesse innerhalb unseres Verbands werden maßgeblich von unserer Bildungsarbeit und der Art und Weise, wie sie gestaltet wird, beeinflusst. Dabei soll eine gesamtverbandliche Bildungsarbeit eine Auseinandersetzung mit und eine Meinungsbildung zu unseren Themen ermöglichen, Debatten anregen, die zur Positionierung des Verbands beitragen und darüber hinaus die Gestaltung einer veränderten Gesellschaft begreifbar machen.

Junge Menschen sind naturgemäß nur eine begrenzte Zeit in der GRÜNEN JUGEND aktiv und im Regelfall nur in dieser Zeit Teil unserer Bildungsarbeit. Die Wege, die junge Menschen nach der GRÜNEN JUGEND gehen sind so vielfältig, wie die Menschen und ihre Lebenshintergründe. Wir wollen junge Menschen fit machen, auch über die GRÜNE JUGEND hinaus in Politik und Gesellschaft Veränderungen anzustoßen. Wir wollen in unserer Bildungsarbeit sowohl methodische, als auch inhaltliche Kompetenzen vermitteln, die es ermöglichen, auf eigenständig gewählten Wegen unsere Gesellschaft zu gestalten. Wir wollen politische Bildung außerhalb von Schulen und Universitäten anbieten, die, unabhängig vom persönlichen Bildungshintergrund, die nötigen Fähigkeiten dazu vermittelt.

Werkzeug für politische Arbeit

Das Werkzeug für politische Arbeit – im Verband und darüber hinaus – lernen wir über methodische Bildung. Über das Lernen aus selbst gesammelten Erfahrungen hinaus, wollen wir jungen Menschen gezielt die Möglichkeiten geben, ihr Handwerkszeug selbst zusammenzustellen und zu verbessern.

Die methodische Ausgestaltung der Bildungsarbeit prägt zwangsläufig die transportierte Verbandskultur. Sie entscheidet mit darüber, ob Veranstaltungen niedrigschwellig und zugänglich gestaltet sind und möglichst vielen Mitgliedern neue Erkenntnisse bringen. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Verantwortlichen in unserer Bildungsarbeit methodisch schulen, um ihnen die bewusste Ausgestaltung der Bildungsarbeit zu ermöglichen.

Darüber hinaus wollen wir es allen Mitgliedern der GRÜNEN JUGEND ermöglichen, sich methodische Fähigkeiten anzueignen: für die Organisation von Bildungsveranstaltungen und viele andere Aktivitäten.

Inhaltliche Kompetenzen

Unsere Bildungsarbeit soll eine kritische Grundhaltung vermitteln, aus der heraus wir unsere Gesellschaft hinterfragen können. Das bedeutet auch, dass unsere Veranstaltungen nicht darauf abzielen reines Faktenwissen zu vermitteln. Vielmehr wollen wir durch eine tiefgehende Gesellschaftsanalyse sowohl Widersprüche erkennen, als auch Zusammenhänge sichtbar machen.

Neben der methodischen Kompetenzen ist auch ein inhaltliches Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Zustände eine unabdingbare Komponente auf dem Weg zur Selbstermächtigung junger Menschen. Als Grundlage unserer politischen Arbeit wollen wir in unserer Bildungsarbeit begreifen, dass aktuelle Lebensumstände nicht gottgegeben, sondern von Menschen geschaffen und dementsprechend auch veränderbar sind. Aus dieser Ermächtigung heraus wollen wir die bestehenden Verhältnisse konkret kritisieren und Veränderungen einfordern. Gleichzeitig wollen wir aber auch darüber hinaus denken und gemeinsam Visionen und Utopien schaffen.

Um in den wachsenden Verband, aber auch die gesamte Gesellschaft zu wirken, wollen wir auf unseren Veranstaltungen auch inhaltliche Multiplikator*innen ausbilden, die unsere Debatten und Positionen weiter tragen können.

Politische Bildung & Aktionismus zusammen denken

Die Bildungsarbeit der GRÜNEN JUGEND ist Teil der gesamten politischen Arbeit des Verbands. Deshalb wollen wir sie nicht alleine, als abgeschlossenen Teil, denken, sondern in Verbindung mit anderen Formen des politischen Aktivismus. Wir wollen, dass sich unsere Bildungsarbeit mit der Arbeit junggrüner Abgeordneter in Parlamenten und Aktivist*innen auf der Straße wechselseitig bereichert.

Die Ergebnisse unserer Bildungsarbeit wollen wir für unsere politische Strategie nutzbar machen, um klarer wissen zu können: Was muss wo und wann getan werden?

Durch die Einordnung einer gut geplanten Bildungsarbeit in die gesamte Strategie des Verbandes, können wir vielfältige und attraktive Orte der Politisierung erschaffen, die junge Menschen auf unterschiedliche Weisen anspricht und auf ihrem politischen Weg bereichert.

Grundsätze

Unsere Bildungsveranstaltungen wollen wir deshalb nach den folgenden Maßstäben planen:

  • Wir wollen eine umfassende, kritische Analyse der Gesellschaft vermitteln.
  • Wir wollen ein Bewusstsein für mögliche Veränderungen der Gesellschaft vermitteln und damit eine Grundlage für politische Aktivität schaffen.#
  • Wir verfolgen daher nicht vorrangig das Ziel politisches Faktenwissen zu vermitteln, sondern stellen politische Zusammenhänge und Problemlagen in den Fokus und vermitteln in diesem Rahmen auch das dafür nötige Faktenwissen.
  • Die Inhalte einer Veranstaltung sind niemals abschließend. Wir wollen Inhalte und Kompetenzen vermitteln, auf Basis derer sich Teilnehmer*innen selbst weiteres Wissen erarbeiten und es mit anderen Fragestellungen verknüpfen können, und die zur Ermächtigung für politisches Handeln – als Multiplikator*innen im Verband und darüber hinaus – beitragen.
  • Politische Bildung ist kein Produkt, das von Lehrenden hergestellt und anschließend von Lernenden konsumiert wird. Unsere Bildungsarbeit ist deshalb interaktiv, sie findet im Dialog statt und die Organisator*innen und Teilnehmer*innen haben eine aktive Rolle. Wir wollen, dass Lernen und Lehren miteinander einhergehen.
  • Wir wollen die Vielfalt unserer Mitglieder in den Bildungsveranstaltungen berücksichtigen, in unserem Bildungsprogramm die persönlichen und politischen Erfahrungen unserer Mitglieder als Zugang zu Themen nutzen und die Möglichkeit geben, individuelle Erlebnisse in ihren politischen Kontext zu setzen.#
  • Wir wollen in die Breite unseres Verbandes wirken – unsere Bildungsarbeit soll vielen Mitgliedern zugute kommen und nur so kann sie mit unserer gemeinsamen politischen Arbeit verknüpft sein. Das setzt auch gute und niedrigschwellige methodische Ausgestaltungen voraus, damit alle Teilnehmer*innen etwas von einer Veranstaltung mitnehmen. Dazu beitragen soll auch der weitere Abbau struktureller Hürden, die es Mitgliedern, beispielsweise aufgrund von Behinderungen, Erwerbsarbeit, geringen Finanzmitteln oder familiären Verpflichtungen, erschweren, an Bildungsveranstaltungen teilzunehmen.

Organisation / Umsetzung / Durchführung

In der Organisation unserer Bildungsarbeit wollen wir vermehrt auf die Umsetzung einer gesamtverbandlichen Strategie achten. Unsere Offenheit für Themen und neue Perspektiven darf nicht dazu führen, dass wir den Fokus verlieren. Eine gut durchdachte Bildungsarbeit kann dazu führen, dass die Teilhabe einzelner Mitglieder an der inhaltlichen Ausrichtung des Verbands wächst und eine Beteiligung an demokratischen Prozessen von Anfang an ermöglicht wird.

Um eine Bildungsstrategie für den gesamten Verband umzusetzen, braucht es eine langfristige und gut durchdachte Planung. Nur so können wir ermöglichen, dass alle Strukturen der GRÜNEN JUGEND sich daran beteiligen können und auch Ortsgruppen mit genügend Vorlauf über die anstehenden Formate und Themen informiert sind. Eine enge Zusammenarbeit mit den Landesvorständen soll dabei ermöglichen, gleichzeitig auf regionale Besonderheiten einzugehen und die Strategie vor Ort flexibel auszugestalten.

Der inhaltliche Fokus der Bildungsarbeit sowie die großen Veranstaltungen werden zukünftig im Arbeitsprogramm und Haushalt festgehalten und von der Mitgliederversammlung diskutiert und beschlossen.