Offener Brief an Julia Klöckner

Berlin, 16.09.2019

Niklas Wagener und Sarah Schulte-Döinghaus

 

Offener Brief an Julia Klöckner:

Wir fordern echte Perspektiven für eine zukunftsfähige Landwirtschaft!
Betreff: Humusaufbau und Agroforst für eine klimagerechte Landwirtschaft.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Klöckner,
mit diesem offenen Brief möchten wir als Vertreter*innen vieler junger Menschen und Organisationen in Deutschland unsere Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft betonen und Sie auffordern, Verantwortung für Klimaschutz und Klimaanpassung in der Landwirtschaft zu übernehmen. Nicht die Landwirt*innen sind alleinig schuld an Klimakrise, schlechten Grundwasserwerten und Artensterben. Nein, die fehlgeleitete Agrarpolitik in Deutschland und Europa ist zum großen Teil dafür verantwortlich. Als Landwirtschaftsministerin liegt es in Ihrer Hand die kommende Agrarpolitik zu verändern. Eine Veränderung, die von vielen Landwirt*innen und auch von uns herbeigesehnt wird. Seien Sie mutig.
Als junge Menschen, die durch ihren Wunsch nach einer klimaschützenden und sozial gerechten Landwirtschaft vereint werden, engagieren wir uns jeden Tag für unsere Zukunft – die wir durch die Klimakrise massiv bedroht sehen. Als Bundesministerin für Land- und Forstwirtschaft sind Sie zuständig für die gesamte nicht besiedelte Landesfläche der Bundesrepublik Deutschland. Auf diesen großen Flächen sehen wir viel Potenzial für den Klima- und Artenschutz und dennoch packen Sie es in unserer Wahrnehmung nur zögerlich an. Das bedeutet für unsere Generation und unsere Zukunft immer größere Unsicherheiten.
Die Ackerböden leiden unter der Klimakrise genauso wie die Erträge der Landwirt*innen. In vielen landwirtschaftlichen Betrieben steht der Generationenwechsel an – allein die Perspektive fehlt. Wir machen uns deshalb für neue Agrarkonzepte stark, von denen Landwirt*innen und Natur gleichermaßen profitieren können. Wir wollen der Erosion unserer Böden nicht weiter tatenlos zusehen. Wir wollen den Humusverlust unserer landwirtschaftlichen Böden nicht weiter akzeptieren. Der Verlust von Bodenkohlenstoff ist nur begrenzt umkehrbar! Wir wollen deswegen mit Hilfe der Bäuer*innen mit Bäumen CO2 durch Humusaufbau im Boden binden. Insbesondere sehen wir deshalb auch in der Agroforstwirtschaft großes Potenzial. Auf agroforstlichen Flächen werden Bäume auf Äckern und Grünland gepflanzt, um den Boden und das Vieh vor Sonne und Wind zu schützen. Sie haben massive Aufforstungen für den Klimaschutz angekündigt: diese Aufforstungen müssen auch auf den Feldern und dem Grünland möglich sein. Deshalb fordern wir Sie auf,
Agroforstwirtschaft in Deutschland endlich staatlich zu fördern. Das klappt in den meisten europäischen Staaten hervorragend, nur Deutschland kommt mal wieder nicht aus dem Quark. Das macht uns wütend.
Die Klimaziele von Paris gelten auch für die Landwirtschaft. Sie einzuhalten, ist unsere Forderung an Sie. Darüber hinaus verpflichten die Ziele des UNCCD zur Land-Degradierungs-Neutralität auch Deutschland und Sie als zuständige Ministerin zu einer grundlegenden Politikänderung. Unsere lebensnotwendige Ressource Land muss in Menge und Qualität auch nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen, damit ein stabiles Ökosystem und die Nahrungsmittelproduktion sichergestellt sind.
Unsere Schlussfolgerung daraus lautet: Humuszehrende Landnutzungskonzepte unterbinden! Bodenkohlenstoffanreichernde Landnutzungsverfahren stärker fördern! Neue Konzepte wie Agroforst endlich in die nationalen Fördermechanismen aufnehmen! Machen Sie damit die Landwirtschaft von der CO2-Quelle zur CO2-Senke.
Konkret fordern wir:

  1. Die Einhaltung des 1,5°-Ziels in der Landwirtschaftspolitik. Dafür müssen die Emissionen aus der Landwirtschaft bis 2030 um 40 Prozent und bis 2050 um 60 Prozent gesenkt werden.
  2. Vom CO2-Emittenten zur CO2-Senke: Humusaufbau und Aufforstung in der Landwirtschaft müssen als zentrale Umweltleistungen der Landwirte zur Erreichung der Klimaziele anerkannt und gefördert und gesetzliche Hindernisse beseitigt werden.
  3. Die besondere Beobachtung von Degradierungsprozessen auf Acker- und Grünlandstandorten und eine gesetzliche Verpflichtung zur Degradierungsneutralität in den nächsten 5 Jahren.
  4. 100.000 ha Agroforst-Flächen in den nächsten 5 Jahren.

Es geht um unsere Zukunft und die Zukunft der Landwirtschaft. Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten als Bundesministerin. Handeln Sie jetzt!

Mit freundlichen Grüßen,
Niklas Wagener, Bundesvorstand der Grünen Jugend
Sarah Schulte-Döinghaus, Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung

weitere Unterzeichner*innen:

  • Bundesvorstand der Grünen Jugend
  • Bundesvorstand der Katholischen Landjugendbewegung
  • Bundesvorstand der Naturschutzjugend im NABU e.V. (NAJU)
  • Bundesvorstand der Naturfreundejugend
  • Bundesvorstand Junges Bioland e.V.
  • Bundesvorstand der Jungen Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller
  • Bundesvorstand der Jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Lebensmittelwirtschaft
  • Bundesvorstand der Evangelischen Jugend im ländlichen Raum
  • Bundesvorstand der Slowfood Youth
  • Agrar Koordination e.V.
  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.
  • Katholische Landvolkbewegung
  • Zukunftsstiftung Landwirtschaft
  • Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller
  • Die Agronauten – Forschungsgesellschaft für Agrar- und Ernährungskultur
  • Die Freien Bäcker e.V.
  • Slow Food Deutschland e.V.
  • Umweltzentrum Hannover
  • SAN Germany – Seeds Action Network
  • PAN Germany – Pestizids Aktions Netzwerk e.V.
  • BUND Kandertal
  • IG FÜR – Interessensgemeinschaft für gesunde Lebensmittel e.V.
  • Pro Vieh e.V.

Hier kann der Offene Brief heruntergeladen werden:

Offener Brief an Klöckner_Humusaufbau und Agroforst_final