Informationstechnologie als Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts

Beschluss der Mitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND (9. April 2000, Halle), verbunden mit der Unterstützung der Gründung eines „Netzwerks Neue Medien“

Einwandern und ausbilden!

Noch immer hinkt die Politik der sich rasant entwickelnden Informationstechnologie hinterher. Die Diskussion um die „Green Card“ macht deutlich, dass die Politik heute dann reagiert, wenn Druck der Wirtschaftslobby da ist. Natürlich ist es sinnvoll, im Rahmen eines Einwanderungsgesetzes auch die Einwanderung ausländischer Fachkräfte im IT-Bereich zu ermöglichen und einen akuten Fachkräftemangel durch besonders günstige Einwanderungsbedingungen auszugleichen. Hier hätte die Politik schon längst handeln müssen!

Es kann allerdings nicht angehen, dass die selbe Wirtschaft, die jetzt massiv feststellt, dass im Bereich der Informationstechnologie ein Mangel an Arbeitskräften herrscht, noch vor fünf Jahren davon abgeraten hatte, Informatik zu studieren. Moderne Ausbildungs- und Studiengänge im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie wurden nur langsam und zögerlich eingerichtet. Inzwischen gibt es erste Anzeichen dafür, dass es hier zu einer Trendwende kommt. Wir begrüßen dies. Bildung im Bereich IuK setzt jedoch bereits in der Schule an; hier fehlen nach wie vor Konzepte, wie dieser Lernbereich sinnvoll in die schulische Bildung integriert werden kann. Dieses politische Versäumnis wird mit einer Debatte über die Anzahl der Bildschirme kaschiert. Soziale Fragen wie die des Zuganges und Ungleichheiten zwischen den Schulen bei der Werbung von Drittmitteln bedürfen dringend einer Klärung.

Jetzt die Weichen stellen!

Damit der momentane IT-Boom nicht zu einer kurzfristigen Seifenblase gerät, müssen jetzt die politischen Rahmenbedingungen dafür gestellt werden, dass die Informationstechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts auch langfristig positive volkswirtschaftliche Signale aussendet.

Der kritische Blick gilt dabei sowohl den zur Zeit massiv überbewerteten Aktienmärkten als auch den noch immer vorhandenen Tendenzen zur Monopolbildung im Bereich der Softwareindustrie, für die der Microsoft-Prozess nur das sichtbarste Zeichen darstellt. Genauso gefährlich ist es, wenn ein kleiner Pool von Telekommunikations-konzernen für sich beansprucht, die Schulen ans Netz zu bringen.

Ein vitales und flexibles Netzwerk kleinerer und mittlerer Firmen ist der beste Garant für zukünftige Innovationen im IT-Bereich. Zu restriktive Patent- und Urheberrechtsbestimmungen sind kritisch auf den Prüfstand zu stellen. OpenSource bietet ein interessantes, dienstleistungsorientiertes Softwarekonzept, dass mit effektiven, freien Alternativen zur Monopolverhinderung beiträgt. Dafür ist das Betriebssystem Linux das beste Beispiel. Gerade in kritischen Bereichen in Behörden und Konzernen bietet nur die Kenntnis des Quellcodes der eingesetzten Software Sicherheit vor Manipulationen. Die Vermittlung von OpenSource muss bereits in der Schule beginnen.

Informationssicherheit und Informationsfreiheit!

Das beste Beispiel dafür, wie wichtig Informationssicherheit zukünftig werden wird, bietet das jetzt bekannt gewordenen amerikanisch dominierte Spionagesystem ECHELON. Mit diesem „Daten-staubsauger“ wurde systematisch der europäische Datenverkehr überwacht. Der Schutz von Daten bezieht sich aber nicht nur auf wirtschaftliche und behördliche Datentransfers, sondern auch auf die Privatsphäre jedes und jeder einzelnen. Die schleichende Entwicklung hin zum Überwachungsstaat unter dem Vorwand der Sicherheit – aktuelles Beispiel ist die Videoüberwachung in der Innenstadt –muss aufgehalten und umgekehrt werden.

In einigen Bundesländern gibt es hier in jüngster Zeit sehr positive Beispiele, die das Recht auf Informationsfreiheit verankern und den Datenschutzbegriff aus dem rein staatlichen Bereich heraus auch auf Datensammlungen in der Wirtschaft übertragen.

Europa hat jetzt die Chance, zum demokratischen und zukunftsorientierten Modell für die Informationsgesellschaft von Morgen zu werden. Dies kann aber nur gelingen, wenn Informationstechnologie zu einer Technologie aller BürgerInnen wird, die nicht ökonomischen Motiven untergeordnet ist. Dafür machen wir uns stark!