HIV zeitgemäß begegnen, Prävention stärken!

Diese Woche wurde bekannt, dass die Europäische Kommission, auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde, Truvada als vorbeugendes HIV-Medikament zugelassen hat. Damit kann Truvada, was seit 2005 als antiretrovirales Medikament bei HIV-Positiven eingesetzt wird, nun auch an HIV-Negative im Rahmen einer sogenannten Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) abgegeben werden.

Jamila Schäfer, Bundessprecherin der GRÜNEN JUGEND, begrüßt diesen Schritt und erklärt: „Die Entscheidung der Europäischen Kommission ist ein sehr gutes Signal für die HIV-Prävention in ganz Europa. Bei einer täglichen Einnahme kann die PrEP das Infektionsrisiko mit HIV enorm reduzieren – was sie für viele Zielgruppen attraktiv macht, die von traditionellen Angeboten nicht angesprochen werden oder keine Kondome verwenden (können). Jede verhinderte Neuinfektion ist ein Erfolg: Deshalb sehen wir die PrEP als eine wertvolle Ergänzung zur bisherigen Präventionsarbeit. Zentral ist nun die Frage der Finanzierung, denn eine Monatspackung Truvada beläuft sich auf knapp 800€. Daher appellieren wir den Hersteller Gilead, mit einer Preissenkung Druck von den Verhandlungen zwischen Verbänden und Gesundheitsorganisationen zu nehmen. Außerdem fordern wir den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) auf, die PrEP im Rahmen einer begleitenden und evidenzgesicherten Anwendung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufzunehmen.“

Moritz Heuberger, Bundessprecher der GRÜNEN JUGEND, ergänzt: „Die 90-90-90 Ziele von UNAIDS, wonach bis 2030 90% aller HIV-Infizierten ihren Status kennen sollen, 90% Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten haben müssen und bei 90% kein Virus mehr nachweisbar ist, ist aus unserer Sicht so nicht zu machen. Dazu brauchen wir eine breite globale Verfügbarkeit der PrEP und von Verhütungsmitteln sowie eine erhebliche Stärkung von Aufklärungsprogrammen. Wir fordern daher einen Ausbau kostenloser Beratungs- und Testangebote – die auch anonym in Anspruch genommen werden können -, eine Kostenübernahme von Kondomen, Femidomen und Lecktüchern durch die Krankenkassen, ein verstärktes Aufklärungsangebot in türkischer und arabischer Sprache, eine Kostenübernahme von Tests- und Behandlungen bei LGBTQ*-Geflüchteten und eine Stärkung von EU-Programmen im Globalen Süden!“

Die GRÜNE JUGEND setzt sich davon abgesehen für ein Ende der Stigmatisierung von HIV-Positiven in der Gesellschaft ein. Diese Stigmatisierung mag nicht mehr so menschenverachtend sein wie es die CSU in den 80ern gerne gehabt hätte, aber viele Vorstellungen von Sexualmoral schaffen nach wie vor ein Klima der Scham, welches den Zielen von Aufklärungsprogrammen entgegen läuft und Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten im Gegenteil erleichtert.