Gegen die Stigmatisierung von Menschen mit Depression

Beschlossen auf dem 44. Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND vom 10. – 12. April 2015 in Bremen

Gegen die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Krankheiten

Die GRÜNE JUGEND fordert einen differenzierten und würdevollen Umgang mit dem Thema psychische Krankheiten. Im Einzelnen heißt das: – Die Erarbeitung von Pressestandards, die in Zukunft verhindern, dass in den Medien ein pauschaler, unrichtiger Bezug zwischen psychischen Krankheiten und Gemeingefährlichkeit oder Kriminalität hergestellt wird – Schaffung von Strukturen, die es erleichtern, sich mit psychischen Problemen frühzeitig zu outen, ohne mit schweren beruflichen oder sozialen Konsequenzen oder Diskriminierung rechnen zu müssen – Mehr und ausdifferenzierte Beratungs- und Anlaufstellen, in denen Betroffene niedrigschwellig, frühzeitig und anonym Hilfe suchen können – Keine durch blinden Aktionismus herbeigeführte Lockerung der Schweigepflicht, die die Bereitschaft von Betroffenen eher noch verringert, mit psychischen Problemen Hilfe zu suchen   Im Zuge der Untersuchungen und Berichte über den Absturz des Germanwings-Flugs am 25.03.2015 gelangten Informationen an die Öffentlichkeit, dass der Co-Pilot, der mutmaßlich den Absturz herbeigeführt hat, unter psychischen Problemen litt. Sofort wurde in der breiten medialen Berichterstattung eine mutmaßliche Depression als Grund für das Geschehene nahegelegt. Eine Depression zu einem Grund oder gar Motiv für die Tötung von über hundert Menschen zu stilisieren, ist sachlich falsch. Diese Berichterstattung ist der traurige Höhepunkt einer langen Tradition in den Medien, psychische Störungen medial auf eine Art mit Gewaltverbrechen und Gefährlichkeit in Verbindung zu bringen, die jenseits aller realen Verhältnisse steht. Es besteht die Gefahr, dass ein offener und konstruktiver Umgang mit Depressionen und anderen psychischen Krankheiten verhindert und eine angemessene und meist erfolgversprechende Behandlung erschwert wird. Es droht eine Ächtung von psychisch erkrankten Menschen. Die Diskussion über eine Lockerung der Schweigepflicht halten wir für falsch. Schon jetzt können Ärzte und Therapeuten in Notlagen oder im Falle einer konkreten Gefährdung anderer die Schweigepflicht brechen. Echte therapeutische oder ärztliche Hilfe ist nur möglich, wenn ein Vertrauensverhältnis zwischen Klient_in und Ärzt_in oder Therapeut_in besteht. Dieses Vertrauensverhältnis darf nicht untergraben werden. Diskussionen wie diese verstärken die Angst von Menschen mit psychischen Krankheiten, diskriminiert zu werden wenn sie Hilfe suchen. Es braucht ein gesellschaftliches Klima, in der die Diagnose einer psychischen Krankheit nicht mit Ängsten um die berufliche oder soziale Zukunft einergeht. Nur so lässt sich die Zahl derer verringern, die viel zu spät in Behandlung kommen; und der Geheimhaltung einer psychischen Krankheit und daraus resultierenden Isolation und Verzweiflung kann so entgegen gewirkt werden. Wir erkennen an, dass die Bandbreite an Diskriminierung und die Vielfalt an psychischen Krankheiten nicht an einem Einzelfall abgehandelt werden sollte, und streben deshalb eine eine tiefgründigere Beschäftigung mit den sozialen, finanziellen und anderen Ausschlüssen psychisch erkrankter Personen an.