Auf dem 40. Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND vom 22. bis 24. März in Dresden beschließt die Mitgliederversammlung einen Antrag zum Umgang mit Fußballfans.
Jedes Jahr besuchen fast sechseinhalb Millionen Menschen die Spiele der ersten Herrenfußball-Bundesliga. Laut einer Studie der Deutschen FußballLiga sind ca. 30% der Spiel-Besucher_innen Frauen. Dazu kommen Fernsehzuschauer_innen und Besucher_innen der Spiele der Frauenfußball-Bundesliga oder niedrigerer Spielklassen. Trotzdem werden Fußballfans, insbesondere organisierte Gruppen, in der Öffentlichkeit noch immer als gewalttätige Chaot_innen wahrgenommen. Lange Zeit galten organisierte Gruppen in erster Linie als gewalttätig und konfliktorientiert, so wurden die Fankurven bis in die 90er Jahre von gewaltsuchenden und gewalttätigen Fans (Hooligans) dominiert. Während die Hooligans heute insbesondere aus den oberen Spielklassen weitestgehend verdrängt wurden, hat sich mit den sogenannten Ultras eine neue Form des organisierten Supports gebildet. Das Bild der gewalttätigen Chaot_innen hat sich nach wie vor in den Medien gehalten und aktiven Fans wird heute oftmals pauschal Gewaltbereitschaft unterstellt. In den letzten Jahren hat sich durch die skandalisierende Berichterstattung ein Bild von engagierten Fußball-Fans etabliert, das mit der Realität nicht zur Deckung zu bringen ist. Über die Fanszene wird bei Fußballspielen meistens nur dann medial berichtet, wenn es zu ”Zwischenfällen” oder ”Ausschreitungen” bei Spielen kam. Wir wollen eine differenzierte Betrachtung der Fan-Szene.
Als Ultras werden Fans bezeichnet, die besonders leidenschaftlich, emotional und engagiert sind und sehr aktiv ihren Verein unterstützen wollen. Ultras haben sich zum Ziel gesetzt, den Verein möglichst laut, bunt und kreativ zu unterstützen und auch außerhalb von Spieltagen ins Vereinsgeschehen einzugreifen. Dabei wird auch eine Kritik am kommerziellen Fußball geübt.Innerhalb der Fankurven dominieren die ”Ultras” oft das Erscheinungsbild. Weit über 10.000 aktive Mitglieder und Sympathisant_innen bilden eine sehr heterogene, wenn auch männlich dominierte Ultraszene, welche inzwischen eine immer größer werdende Relevanz besitzt. Für einige Menschen stellt das Engagement im Verein den Lebensmittelpunkt dar. Wir wollen eine differenzierte Betrachtung der Szene. Es ist falsch, die Gruppierungen und Beteiligten/Aktiven über einen Kamm zu scheren, da sie sich sehr in Meinung, Auftreten und Aktionsformen unterscheiden. Oft werden die Ultragruppierungen als „größtes Jugendzentrum der Stadt“ beschrieben, hier findet eine Mobilisierung und Politisierung unzähliger Jugendlicher statt. In den Strukturen der Ultragruppierungen machen viele Menschen über Aushandlungsprozesse und Kompromisse erste Demokratieerfahrungen. Als Jugendorganisation, der Gewaltfreiheit wichtig ist, sprechen wir uns dafür aus, dass von Ultra- Gruppierungen keine Gewalt ausgeht. Alle Beteiligten sollten ihr eigenes Verhalten kritisch reflektieren und in Konflikten deeskalierend wirken.
„Ich fühl‘ mich sicher!“
Natürlich ist es wichtig, dass im Sinne aller Besucher_innen bei sportlichen Großveranstaltungen mit einem hohen Konfliktpotenzial durch die Veranstalter_innen und die Polizei für Sicherheit gesorgt wird. Dennoch dürfen gewisse Grenzen nicht überschritten werden. So kam es vor einem Spiel in der Münchener AllianzArena das erste Mal zu intensiven Ganzkörperkontrollen, bei dem sich die Fußballfans im Verdachtsfall sogar entkleiden mussten. Solche Zustände sind nicht hinnehmbar! Außerdem ist es wichtig, dass zwischen Vereinen und Fans verbindliche und transparente Regelungen getroffen werden, welche Gegenstände und Fanutensilien ins Stadion gebracht werden dürfen. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Ausleben der Fankultur und die Unterstützung der Teams angemessen berücksichtigt werden.
Die massiv übertriebene Präsenz von Ordner_innen und Polizeikräften zeigt sich nur selten als erfolgreiches Mittel gegen Ausschreitungen und Gewalt zwischen oder innerhalb von Fangruppen oder Einzelpersonen. Häufig sind sie sogar ihr Auslöser. In der aufgeheizten Stimmung kommt es leider immer wieder zu Handlungen seitens der Ordnungskräfte, die von den Fans als unverständlich oder zu hart wahrgenommen werden. Um einem krassen Fehlverhalten von Ordnungskräften vorzubeugen, muss sichergestellt werden, dass die Ordner_innen keine Verbindungen in die Fanszene haben.
Auch die Polizei spielt eine wichtige Rolle bei der Sicherheitsfrage im Fußballstadion. Das Verhältnis zwischen Ultragruppierungen und Polizist_innen ist seit längerer Zeit ein sehr schlechtes. Von vorneherein werden Ultragruppierungen als potentielle Gefahr erachtet und werden – in der Regel schon bei gesammelter Anreise-durch strenge Kontrollen, Kessel und Polizist_innen in voller Bereitschaftsmontur eingeschüchtert. Auch Beleidigungen und körperliche Übergriffe von Seiten der Polizist_innen kommen leider immer wieder vor. Ein körperliches Eingreifen der Polizei sollte daher immer nur in besonderen Gefahrenlagen, auf keinen Fall aber präventiv stattfinden.
Auch die Einsatzmittel der Polizei sind stets auf ihre Verhältnismäßigkeit zu prüfen. Das Tragen von Schusswaffen wirkt auf Fans im Fußballstadion provozierend und ist in einer Gefahrenlage aufgrund der großen und unübersichtlichen Menschenmenge im Fußballstadion absolut sinnfrei und sogar gefährlich. Im Gedränge sind Unbeteiligte oft kaum zu erkennen. Außerdem können sie, anders als bei Demonstrationen, nicht aufgefordert werden, den Einsatzbereich zu verlassen. Deswegen ist auf den Einsatz von Reizgasen oder Schlagstöcken möglichst zu verzichten.
Das Einsatzverhalten der Polizei bei Fußballspielen muss sich daher grundlegend ändern. Ein kommunikatives und differenzierendes Einsatzkonzept, wie es mittlerweile bei Heimspielen von Hannover 96 durchgeführt wird, ist zum Beispiel ein Lösungsansatz. Dort gibt die Polizei den Fans mehr Freiheiten und informiert sie vor dem Spiel über ihre Rechte. Vor dem Spiel selbst stehen nicht vordergründig Hundertschaften vor dem Fußballstadion, sondern Konfliktmanager_innen. Diese sind nicht bewaffnet und sollen den Fans informativ zur Seite stehen und bei Konflikten gewaltfrei vermitteln. Dem weit verbreiteten „Feindbild Polizei“ wird somit entgegengewirkt. Wir fordern die Polizei daher dazu auf, ein deeskalatives, kommunikatives und differenzierendes Einsatzkonzept für Fußballspiele zu verfassen.
Hierbei ist es wichtig, dass Fangruppen und Polizei vor dem Spiel auf Augenhöhe miteinander diskutieren und feste Vereinbarungen über das Einsatzkonzept treffen, die unbedingt einzuhalten sind. Nach dem Spiel sind die Einsätze, besonders bei Fehlverhalten von Polizist_innen oder Fans, zu reflektieren und gemeinsam mit allen Beteiligten auszuwerten.
Außerdem fordern wir weiterhin, die Kennzeichnungspflicht für alle Polizist_innen einzuführen. Gerade bei so unübersichtlichen Einsätzen wie Fußballspielen ist es wichtig, das Straftaten einzelner Polizist_innen nicht mit Hilfe der Solidarität ihrer Kolleg_innen in die Anonymität untertauchen und unbestraft bleiben. Dieser Korpsgedanke, der in vielen Teilen der Polizei verbreitet ist, verstärkt nicht nur das „Feindbild Polizei“ der Fans, sondern trägt auch dazu bei, dass Fußballfans von Polizist_innen als Feindbild begriffen werden. Dieser wechselseitige Konflikt, der zwischen Fans und Polizei besteht, könnte durch eine Kennzeichnungspflicht teilweise gelöst werden.
Im Januar 2013 wurde bekannt, dass die Polizei seit mehreren Jahren V-Leute in den Fanszenen einsetzt, um an Informationen über mögliche Straftaten zu kommen. Diese Überwachungsmaßnahme ist mit rechtsstaatlichen Prinzipien nicht vereinbar und muss sofort beendet werden.
Für die GRÜNE JUGEND machen Stadionverbote wenig Sinn. Ausschreitungen verlegen sich dadurch nur vor die Stadien und in die Kneipen. Des Weiteren führen Stadionverbote erneut zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft der Ausgeschlossenen, da sie sich selbst in einer Situation sehen, in der sie nichts mehr zu verlieren haben. Für Jugendliche, die sich ihr soziales Umfeld in der Fanszene mühsam aufgebaut haben, bedeutet ein Stadionverbot oft die Isolation von ihrem Freundeskreis. Stadionverbote werden in vielen Fällen viel zu schnell und absolut willkürlich auferlegt. So werden in manchen Stadien schon für das Anbringen eines Aufklebers ein mehrwöchiges Stadionverbot vergeben – ohne, dass ein Straftatbestand vorliegt. Auch bei eingestelltem Verfahren werden die Stadionverbote in vielen Fällen nicht zurückgenommen. Wir fordern die Vereine daher dazu auf, das Repressionsmittel Stadionverbot zu überdenken. Sollte ein Stadionverbot die einzige sinnvolle Maßnahme gegen das Verhalten einzelner sein, müssen die Betroffenen die Chance bekommen, sich in einem fairen Gerichtsverfahren rechtfertigen zu können!
Ein weiterer Dorn im Auge der Fans ist die „Gewalttäter Sport“-Datei der Polizei. Ohne detaillierte Rechtsgrundlage können Fans schon bei kleinen Verstößen als Gewalttäter_innen in eine zentrale Datei aufgenommen werden. Die Rechtswidrigkeit dieser Datei hat schon das Verwaltungsgericht Karlsruhe bestätigt. Konsequenzen einer Eintragung in die Datei können Stadionverbote, Passbeschränkungen oder sogar die Verweigerung der Ausreise sein. Die Datei ist außerdem in drei Kategorien eingeteilt. Mit der Zugehörigkeit zu einer Ultragruppierung gehört man automatisch zu der „Kategorie B“, die gewaltbereite Fans erfassen soll. Die „Gewalttäter Sport“ – Datei ist absolut willkürlich und greift in die Grundrechte der Fans ein. Die GRÜNE JUGEND setzt sich deswegen für die Abschaffung dieser Datei ein.
Wir unterstützen auch deswegen die Forderungen der Initiative „Ich fühl‘ mich sicher“.
Emotionen respektieren – Pyrotechnik legalisieren!
Pyrotechnik wird in der Regel von Ultragruppen eingesetzt, um ihrer eigenen Stimmung Ausdruck zu verleihen, um die der übrigen Fans zu erhöhen und um die Spieler_innen emotional für das Spiel zu motivieren.
Dass mit Pyrotechnik umsichtig umzugehen ist, zeigen Fälle, bei denen Fans durch Feuer oder Böller teilweise schwer verletzt werden. Aufgrund der Gefährlichkeit ist Pyrotechnik zu Recht als Gefahrgut eingestuft. Darüber hinaus ist der Gebrauch von Pyrotechnik nach den Versammlungsstättenverordnungen der Bundesländer gegenwärtig verboten. Wir wollen einen Zustand, der der Sicherheit aller Zuschauer_innen und Spieler_innen und dem Anliegen von den Ultra-Gruppen für den Einsatz von Pyrotechnik Rechnung tragen kann. Der momentane Zustand wird diesen Bedürfnissen nicht gerecht. Der DFB hat sich in den letzten Jahren, getrieben durch Innenpolitiker_innen und boulevardeske Berichterstattung, besonders den Kampf gegen Pyrotechnik auf die Fahnen geschrieben – mit kaum erkennbarem Erfolg. Erhöhte Sicherheitskontrollen, überzogene Geld- und Turnierstrafen gegen Vereine und kollektive Stadionverbote konnten nicht dazu beitragen, die vom DFB gewollte Verbannung von Pyrotechnik aus dem Stadion zu realisieren.
Viele Probleme, die beim Abrennen von Pyrotechnik existieren, entstehen allerdings erst durch das Verbot von Feuerwerkskörpern. Um die Pyrotechnik überhaupt an den Sicherheitskräften vorbei in die Stadien zu bringen, werden sie häufig zerlegt, um sie besser verstecken zu können. Erst im Stadion werden sie dann laienhaft zusammengebaut. Dass häufig erst dieses Vorgehen Fehler und Unfälle provoziert, zeigt, dass mit Pyrotechnik in Stadien anders umgegangen werden muss.
Häufig kommt es dazu, dass Ordnungskräfte und Polizei, auf Grund der geltenden Rechtslage, noch während des Abbrennens der Feuerwerkskörper den Block stürmen, um die Verantwortlichen sofort in Gewahrsam zu nehmen. Eine solche Einsatzstrategie lehnen wir ab, da es zu Panikreaktionen kommt, bei denen Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geworfen werden oder – meist mit schlimmeren Konsequenzen – in der Menschenmenge landen.
Um dem Anliegen der Fans und den Sicherheitsbedenken der Ordnungs- und Polizeibehörden gerecht zu werden, fordern wir daher das Abbrennen von Pyrotechnik unter bestimmten Voraussetzungen zu legalisieren. Die GRÜNE JUGEND kann sich Regelungen vorstellen, die den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik als Stimmungselement nach einer Anmeldung und unter Aufsicht von geschultem und fachkundigen Personal in gekennzeichneten Bereichen mit ausreichendem Sicherheitsabstand zu anderen Personen im Stadion ermöglichen. Dazu muss es zu zielorientierten Gesprächen zwischen DFL, DFB und Ultragruppierungen kommen – Der Deutsche Fußballbund muss seine Blockadehaltung endlich aufbrechen!
Wir wollen, dass die Innenminister_innen-Konferenz lösungsorientiert an das Thema heran geht, um einen Einsatz von Pyrotechnik in Stadien zu ermöglichen. Wir fordern die Landesregierungen auf -insbesondere die, in denen GRÜNE an der Regierung mitbeteiligt sind- sich für eine bundeseinheitliche Lösung dieses Anliegens von Fans in den Stadien einzusetzen und die ausschließlich auf Repression setzende Politik in Sachen Pyrotechnik aufzugeben.
Für eine Kurve ohne Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie!
Öffentliche und kollektive rassistische, antisemitische, sexistische oder homophobe Parolen auf Spruchbändern oder in Schlachtrufen haben dank massiver Aufklärungsarbeit – gerade auch von Seiten einiger Ultragruppierungen – und Kampagnen für mehr Akzeptanz in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark abgenommen. Dennoch sind Diskriminierungen aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung leider noch immer ein Bestandteil des Gedankengutes, das auf den Tribünen herrscht. Dass sich im männlichen deutschen Profifußball bisher kein Spieler gewagt hat, öffentlich zu bekennen, nicht heterosexuell zu sein, ist auf homophobe Einstellungen im Stadion zurückzuführen. Dieses Problem ist jedoch nicht nur bei Fans, sondern bei allen am Profifußball Beteiligten zu erkennen.
Auch sind weibliche Fußballfans immernoch eine Besonderheit, gerade in der Ultraszene. Oftmals wird Fußball, sowohl das Spielen als auch das Fansein, als ”Männersache” wahrgenommen, einige Ultragruppierungen nehmen generell keine Frauen auf, weil diese ”Unruhe” in die Szene bringen würden.
Gesamtheitlich betrachtet lässt sich feststellen, dass die Fan- und Ultrakultur männlich geprägt ist und oft ein Ort hegemonialer und althergebrachter Männlichkeit ist. Militärische Ideale wie Ehre, Treue, Kämpfen, Kameradschaft und Gewalt können dabei eine wichtige Rolle für Männlichkeitsideale und die Fankurve als männlich dominierten Raum einnehmen. Dies geht oft mit einer Abwertung von Weiblichkeit und nicht-heterosexuellen Lebensweisen einher. Solches Verhalten darf auch im Stadion nicht toleriert werden. Auch sind weibliche Fußballfans immer noch eine Seltenheit, gerade in der Ultraszene. Oftmals wird Fußball, sowohl das Spielen, als auch das Fansein, als ”Männersache” wahrgenommen. Einige Ultragruppierungen nehmen generell keine Frauen auf, weil diese ”Unruhe” in die Szene bringen würden. Solches Verhalten bekommt von uns keine Unterstützung. Frauen können im Stadion allerdings auch einen Raum finden, in dem sie nicht den typischen Geschlechterklischees entsprechen müssen und sich Verhaltensweisen, die in althergebrachten Vorstellungen von Geschlechterrollen als ”typisch männlich” gelesen werden, aneignen, ohne dafür sanktioniert zu werden. Männlichkeit darf dabei nicht zur Norm werden. Menschen dürfen durch das Gruppenverhalten in den Stadien, in denen gegenwärtig Männlichkeit noch oft die Norm ist, nicht dazu gedrängt werden, sich nur durch Übernahme dieser Norm Anerkennung in der Szene zu verschaffen. Die GRÜNE JUGEND kämpft daher weiterhin für einen Aufbruch dieser Geschlechterrollen und wünscht sich eine Fankurve, in der Menschen aller Geschlechter gleichberechtigt nebeneinander Platz finden, ohne diskriminiert zu werden, indem sie auf ihr Geschlecht reduziert werden oder von ihrem Geschlecht auf Eigenschaften geschlossen wird . Die GRÜNE JUGEND zeigt sich deshalb mit allen Menschen in den Fankurven solidarisch, die sich gegen althergebrachte Geschlechterklischees, hegemoniale Männlichkeit, Sexismus und Homo-, Bi- und Transphobie im Stadion einsetzen.
Mit großem Bedauern nehmen wir die Auflösung der antirassistischen Ultragruppierungen aus Aachen und Düsseldorf wahr, die ihre Arbeit im Stadion aufgrund starker Bedrohung von rechten Ultragruppen und Hooligans zu Beginn dieses Jahres einstellten. Die betroffenen Vereinsführungen schwiegen das Thema Rechtsradikalismus tot und ließen die antifaschistischen Ultras im Konflikt mit rechten und rechtsoffenen Fangruppierungen alleine. Fangruppen, die sich gegen Diskriminierung im Fußball einsetzen, werden oftmals von anderen Fans und Vereinen als ”Linksextremisten” diffamiert. Hier muss ein Umdenken stattfinden! Es muss klar sein, dass nicht nur aktive Fans, sondern auch die Vereine selbst dafür sorgen müssen, dass Diskriminierung im Stadion keinen Platz hat! Die Rufe nach ”unpolitischen Kurven” verschleiern hierbei das Nazi-Problem in den Stadien, statt es zu bekämpfen.
Auch wenn wir uns klar gegen die Kriminalisierung von Fans aussprechen: Von Aktionen, wie die bei dem Spiel vom 27.11.2012 (SG Eintracht Frankfurt – 1. FSV Mainz 05), als Fans das berühmte Zitat des NS-Widerstandskämpfers Martin Niemöller (”Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. (. . . )”) auf sich selber ummünzten, um damit auf die Kriminalisierung von Fans hinzuweisen, dabei aber klaren Geschichtsrevisionismus und NS-Relativierung betrieben, distanzieren wir uns selbstverständlich.
In den letzten Jahren ließen sich auch positive Entwicklungen erkennen. Neben den offiziellen Kampagnen wird durch die Fanprojekte in vielen Vereinen wichtige Sensibilisierungsarbeit geleistet. Wie so oft mangelt es auch diesen Initiativen an Geld. Dieser Zustand ist besonders vor dem Hintergrund der Milliarden, die in der Fußballindustrie umgesetzt werden, nicht hinnehmbar.Die GRÜNE JUGEND fordert daher die Vereine dazu auf, in emanzipatorische Fan-Projekte zu investieren. Wichtig ist hier auch, dass diese Kampagnen von den Fans autonom und demokratisch gestaltet werden müssen. Von oben herab aufgedrängte Maßnahmen von Vereinen oder Politik würden bei Fangruppierungen eher zur Ablehnung führen. Die Arbeit der Fanprojekte für mehr Akzeptanz unter Fußballfans darf dabei aber natürlich nicht vom wirtschaftlichen oder sportlichen Erfolg des Vereins abhängen. Daher fordert die GRÜNE JUGEND, dass mehr staatliche Gelder in zivilgesellschaftlich organisiertes Engagement gegen Antirassismus, Rechtsextremismus, – populismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und für Vielfalt und Diversität im Umfeld des Fußballs investiert werden. Wir freuen uns über Menschen die in diesem Bereich aktiv sind und solidarisieren uns mit Organisationen und Initiativen wie dem „Bündnis aktiver Fußballfans“ („BAFF“) oder „Fußballfans gegen Homophobie“, die sich für diskriminierungsfreieStadien einsetzen. Wir fordern alle Fußball- und Sportverbände sowieVereine auf, sich aktiv gegen Rassimus und Antisemitismus und jegliche Form der Diskriminierung zu stellen und die Sensibilisierung in ihren Verbänden und Vereinen aktiv anzugehen.
Für eine autonome, demokratische Fußballpolitik!
Entscheidungen werden von Funktionär_innen oft undemokratisch und ohne die Beteiligung von Fans getroffen. Diese werden damit von direkter Beteiligung ausgeschlossen. Dies führt oft zu Konflikten zwischen Fans und Offiziellen, die durch einen vorangegangenen Dialog hätten gelöst werden können. Daher fordern wir die radikale Demokratisierung des DFB und der DFL. Nicht nur offizielle Vertreter_innen der Vereine, sondern auch von den Fans gewählte Vertreter_innen müssen -insbesondere unter einer stärkeren Beteiligung von Frauen- gleichwertig an den Versammlungen und Entscheidungsprozessen der Fußballverbände teilhaben.Nur so kann der Fußball und die Fankultur in Zukunft demokratisch gestaltet werden und die männerbündische ”Hinterzimmer- Mentalität”, die momentan bei DFB und DFL vorherrscht, aufgebrochen werden.
