Energiewende zur Identitätsfrage machen !

Die Jugend will keine strahlende Zukunft, sondern eine sonnige! (März 1999)

Der Ausstieg aus der Atomenergie und die Energiewende sind Teil der Identität des GAJB und von Bündnis 90/Die Grünen. Viele von uns haben in den letzten Jahren gegen die Atomkraftnutzung und ihre verheerenden Auswirkungen argumentiert, demonstriert und vielfältigen Widerstand geleistet. Spätestens der öffentliche Skandal um die hochverstrahlten Castorbehälter und der offenbarte Vertuschungsfilz von Aufsichtsbehörden, Industrie und Politik haben – wieder einmal – die Verantwortungslosigkeit und Verlogenheit der Atombefürworter gezeigt.

Atomenergie ist nicht beherrschbar, risikoreich, verseucht schon im „Normalbetrieb“ Mensch und Umwelt und hinterläßt kommenden Generationen Jahrtausende strahlende Müllberge.

Deshalb fordert das GAJB eine zukunftsfähige Energiewende und den sofortigen Atomausstieg. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie muß der Einstieg in Effizienzrevolution, Energieeinsparung und den Ausbau regenerativer Energien erfolgen.

Moderne Ausbildungsberufe wie SolartechnikerIn, WindkraftinstallateurIn und EffizienzmanagerIn schaffen hoffnungsvolle Perspektiven für Jugendliche und werden neue, modernere Arbeitsfelder eröffnen.

Diese Energiewende und der schnelle Ausstieg aus der Tag für Tag Strahlen und Müll produzierenden Atomenergie war eine Kernforderung im Bundestagswahlkampf von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Nach der Wahl wurde im von beiden Seiten unterschriebenen Koalitionsvertrag von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ein genaues Verfahren zum umfassenden und unumkehrbaren Ausstieg aus der Atomenergie und für einen „neuen, zukunftsfähigen Energiemix“ vereinbart. Das aufgelegte 100.000 Dächer-Programm für moderne Photovoltaik ist dafür ein erster, begrüßenswerter Schritt. Auch eine kräftigere ökologische Steuerreform erzeugt weitere Effizienzsteigerungen und zusätzliche Arbeitsplätze.

Doch für einen massiven Ausbau von erneuerbaren Zukunftsenergien und der Nutzung weiterer Einsparpotentiale ist der schnelle Abbau der gigantischen Überkapazitäten bei der Atomenergie notwendig. Erst der Ausstieg aus der Großtechnologie Atomkraft macht dezentrale erneuerbare Energien und Klimaschutz markt- und ausbaufähig.

Wir fordern deshalb von Bündnis 90/Die Grünen:- Die Energiewende ist das Zukunftsthema für das 21.Jahrhundert. Viele Jugendliche, nicht nur aus der Anti-AKW-Bewegung verbinden damit die Identität der Bündnisgrünen. Ein Zurückweichen vor der massiven, verbraucherfinanzierten Propaganda der Atomlobby hätte den Verlust der Glaubwürdigkeit zur Folge. Laßt Euch nicht beirren : Auch in der Jugend gibt es eine Mehrheit für Energiewende und Atomausstieg. Atomkraft und fossile Energiequellen sind von gestern, Regenerative haben Zukunft. Wir wollen, daß nicht nur Solartaschenrechner und Solaruhr, sondern auch die „Steckdose mit Solarstrom“ für uns selbstverständlich werden. – Aus Konsens nicht Nonsens werden lassen ! Ein 30- bis 40jähriges Auslaufenlassen der Atomkraftwerke im Konsens mit den Energiekonzernen ist kein Ausstieg. Schon heute traut sich kein Energiekonzern mehr zum Bau von Atomkraftwerken. Das haben Anti-AKW-Bewegung, grüne Partei und wirtschaftliche Zukunftslosigkeit bereits erreicht. Eine Absegnung des Status Quo mit grüner Zustimmung darf es nicht geben. Noch in dieser Legislaturperiode müssen deshalb die ersten Atommeiler vom Netz. Die gesetzlich zu fixierenden Restlaufzeiten für die einzelnen AKW’s müssen deutlich unter der „technischen“ Betriebsdauer liegen. Auch die Unterstützung der Atomenergie im Ausland muß sofort beendet werden. Erst nach Festlegung auch für die Anti-AKW-Bewegung tolerabler Restlaufzeiten dürfen Atomtransporte oder dezentrale Zwischenlager an den AKW-Standorten genehmigt werden. Ein grüner Konsens nur mit Atomkonzernen aber ohne Anti-AKW-Bewegung ist nonsens. – Glaubwürdigkeit vor Koalitionstreue. Für die Zukunft von grüner Partei und grüner Bewegung ist eine erfolgreiche Energiewende von erheblicher Bedeutung. Was passiert, wenn trotz Ausstiegsversprechen keine realen Erfolge sichtbar werden, konnte man unter anderem bei der Wahl in Hessen erleben. Ein neuerliches Zurückweichen oder Einknicken vor den Atomdinosauriern aus Atomindustrie, SPD und Opposition darf es beim Energiekonsens nicht geben. Ohne Abschaltung von mehreren AKW’s bis 2002 kann es keine Fortsetzung der Koalition geben. Gerade für Jugendliche ist Glaubwürdigkeit und Konsequenz wichtiger als die Regierungsbeteiligung!