Drogenkonsum und Normbruch

Wie die Gesellschaft Drogen sieht und auf sie reagiert

Um Politik verstehen zu können ist es nützlich politische Ideologien zu kennen. Stephen Littlejohn definiert diese wie folgt: ‚“Eine Ideologie ist ein Bündel von Ideen, das die Wirklichkeitswahrnehmung einer Gruppe strukturiert, ein System von Repräsentationen oder ein Code von Bedeutungen, der die Sichtweise von der Welt von einzelnen Personen und Gruppen steuert.‚“ Politische Ideologien sind z.B. Liberalismus, Sozialismus, Nationalismus und Konservatismus. Neben diesen politischen Ideologien gibt es noch einige ethische Prinzipien, die helfen Politik zu verstehen. Beispiele für solche Prinzipien sind Gewaltlosigkeit, Eigenverantwortung, Nächstenliebe oder Hedonismus. In der Drogenpolitik sind zwei ethnische Prinzip besonders relevant und damit für ein Verständnis besonders wichtig. Moralismus und Paternatismus (siehe Infobox).

In jeder Gesellschaft gibt es gewisse soziale Normen, also Bilder davon welches Verhalten ‚“normal‚“ ist. Liberale Gesellschaften auf der einen Seite sind eher bereit auch abweichendes Verhalten zu tolerieren, insbesondere wenn es nur störend aber nicht schädlich ist. Sie sieht in diesen Abweichungen eher eine Pluralität der Lebensstile und die Individualität der Menschen. Moralistische Gesellschaften zeichnen sich durch eine geringere Toleranz aus und reagieren auf asoziales Verhalten mit Sanktionen. Ein hohes Maß an Freiheit für den Einzelnen zwingt eine Gesellschaft zu mehr Kompromissen, während eine moralistische Gesellschaft mehr Nestwärme und Geborgenheit verspricht – für alle die sich anpassen können und wollen.

In der derzeitigen, moralistischen Drogenpolitik sind gewisse Substanzen verboten. Damit ist der Umgang mit ihnen nicht nur illegal, sondern auch per se moralisch schlecht, normverletzend und deswegen eine ‚“asoziale‚“ und störende Handlung. Die Gesellschaft reagiert vielfältig auf diesen Normbruch. Dies kann über Sozialarbeit geschehen, die versucht das Verhalten – gerade von Jugendlichen – wieder zu normalisieren und damit zu normieren bis zur Strafverfolgung. Hier rechtfertigt der Kampf gegen die sog. Rauschgiftkriminalität vielfältige Einschränkung von Bürgerrechten und – verglichen mit anderen Straftaten – unverhältnismäßig hohe Strafen. Zudem unterliegen die abweichenden Personen einem Stigmatisierungsprozess. Hierbei werden ihnen aufgrund einzelner Merkmale (z.B. Cannabiskonsum) weitere nicht sofort erkennbare Eigenschaften zugeordnet (z.B. faul, arbeitsscheu). Eine weitere Reaktion ist eine Pathologisierung, also das Werten von Verhalten als krankhaft und behandlungsbedürftig. So wurde bis 1992 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität als Krankheit geführt. Natürlich gibt es Menschen, die Probleme mit ihrem Drogenkonsum haben und ärztliche Hilfe brauchen, allerdings bezeichnet die WHO bis heute jeden Drogenkonsum ‚Äì außer für medizinische oder wissenschaftliche Zwecke ‚Äì als krankhaften Mißbrauch.

Wir als GRüNE JUGEND fordern eine aktive Drogenpolitik, die zwischen persönlicher Freiheit und Verantwortung für sich und andere abwägt sowie einen emanzipatorisch-aufgeklärten Umgang mit Drogen. Der Staat überlässt seinen BürgerInnen das Recht, selbst über ihr Verhalten zu entscheiden, wobei er die möglichen Optionen aktiv mitgestaltet.

Infobox:

Im Moralismus wird eine einzige Vorstellung einer guten Lebenweise zur allgemeinen Norm erhoben und versucht sie mit Sanktionen durchzusetzen.

Mit Paternalismus wird ein Politik bezeichnet, bei der der Staat seine Bürger bevormundet. Auf eine Familie übertragen wäre dies ein strenger Vater, der in seiner vermeintlichen Weisheit alles für deine Kinder entscheidet.

Zum Weiterlesen:

* ‚“Recht auf Rausch oder Pflicht zur Mäßigung?‚“; Wolf, J.C; Universitas, 6/1992,S. 551-563

* Grüne Drogenpolitik – Der dritte Weg; Balance zwischen Bevormundung und Laissez-Faire; Plenert M.; SPUNK

Zum Autor:

* Dipl.-Phys. Maximilian Plenert (26) koordiniert das Fachforum Demokratie und Recht, arbeitet für den Deutschen Hanfverband und plant seine Doktorarbeit über Drogenpolitik zu schreiben.

Dieser Artikel zuerst im IGEL, der Mitgliederzeitung der GJ Niedersachsen.